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3. März 2007

Die Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungen von
Untergriesbach und Gottsdorf
tagen gemeinsam zum Thema
"Berufung"
mit
Domvikar Dr. Hans Bauernfeind

   

 

Predigt von H.H. Domvikar Dr. Hans Bauernfeind beim Abschlussgottesdienst des Einkehrtages:
Verehrte Schwestern und Brüder,
 
beim heutigen Evangelium muss ich an den ihnen allen bekannten ehemaligen Pfarrer Herbert Kessler denken. Gott hab ihn selig! - Im Jahre 1993 schickte er mir von einem Israelbesuch diese Postkarte.
Sie zeigt den Berg Tabor, den Verklärungsberg Jesu. Pfarrer Kessler schrieb damals: „Herzliche Grüße vom Berg Tabor, den wir heute besuchten. Nun geht’s nach Jerusalem! Herbert“. Die Karte ist dann noch von zahlreichen weiteren Namen unterschrieben worden.
 
Herzliche Grüße hat mir, und ich vermute noch vielen weiteren Menschen, Pfarrer Herbert Kessler vom Berg Tabor geschickt, jenem Berg, zu dem Jesus zusammen mit Petrus, Johannes und Jakobus hinaufstieg, um zu beten.
 
Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Ihm wird immer klarer, dass die religiösen Führer, allen voran die Pharisäer, seinen Tod planen. Auf dem Berg betet er. Übrigens begleiten ihn dieselben Jünger, die auch auf dem Ölberg in Jerusalem mit ihm sein werden.
Auf dem Berg kommt es nun zu einer seltsamen Begebenheit. Während Jesus betet, verändert sich sein Gewand. Es wird leuchtend weiß. Mose und Elija sind da - die Propheten, die jedem jüdischen Kind bekannt sind. Sie sprechen vom Ende Jesu in Jerusalem. Sie bezeugen: In Jesus erfüllt sich alles, was gläubige Menschen je in einer Religion erhofft haben. Er schenkt den Menschen eine Beziehung zu Gott im Himmel, wie es noch nie geschehen ist. Für die drei schlafenden Jünger, die durch das Geschehen jetzt so richtig munter werden, wird das ganz offenkundig.
Und das sind auch die herzlichen Grüße des Evangelisten Lukas vom Berg Tabor an uns: in Jesus Christus, dem Sohn Gottes, findest du eine Beziehung zu Gott, wie sie inniger und tragender nicht sein kann. Wenn du mit Jesus Christus in Beziehung bist, dein Herz mit seinem vereinst, mit ihm Auge in Auge, Hand in Hand lebst, mit ihm in Kommunion bist – was wir ja bei jeder Messe feiern dürfen, dann bist mit diesem Jesus für alle Ewigkeit verbunden – du gehst nie verloren. Die Stimme aus der Wolke unterstreicht das eindrucksvoll: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.
 
Liebe Schwestern und Brüder, was für Grüße vom Berg Tabor. Wir erfahren, dass uns Jesus beruft, zu ihm zu gehören. Sein Vater im Himmel selbst ruft uns, auf ihn zu hören. Jesus gibt ein neues Gesetz der Liebe aus. Er ist der neue Mose. Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst. Das sind die neuen Worte, die Jesus uns zuspricht. Hab Vertrauen. Du bist mit mir verbunden.
Wer in Jesus daheim ist, wer ihn kennt, wer um seine Worte weiß, wer spürt, dass er in der Feier der Messe wirklich da ist – wer mit ihm tief verbundene Kommunion lebt, befindet sich im Heil, hat die Kraft, die Welt zu verändern.
 
Petrus ist schnell auf den Beinen. Er will drei Hütten bauen. Eine für Mose, eine für Elija und eine für Jesus. Die Beziehung zu Gott jedoch kann man nicht zementieren – wie auch nicht die Liebe zu einem Menschen. Eine so wunderschöne Kirche, wie die hier in Untergriesbach, ist noch lange keine Garantie, dass die Beziehung zu Jesus echt und lebendig oder dauerhaft ist.
Aber diese Kirche ist der Ort, an dem sie immer wieder erneuert werden kann. Darum gibt es für uns Christen keinen richtigen Grund, die Messe nicht Sonntag für Sonntag zu feiern und unsere Beziehung zu Jesus Christus zu erneuern – wobei wir wissen, dass die Sorge um ein kleines Kind, die Sorge um einen kranken Menschen oder einfach der berufliche Dienst hier auch Ausnahmen sein können.
Das jedoch ist unsere Berufung, Schwestern und Brüder, mit Jesus in Beziehung zu sein, damit wir in ihm den finden, der uns den Weg weist, die Wahrheit über das Leben zuspricht und das Leben christlich gestalten hilft.
Mit Jesus im Herzen zu leben, unterscheidet sich wahrlich von dem, ihn draußen zu lassen. Stellen sie sich vor, die sie zur Feier der Messe kommen, wie kalt das Leben werden würde, wenn sie es nicht tun. Es würde etwas in diesem lebendigen Markt fehlen. Sie bringen den Geist Gottes durch ihre christliche Berufung herein. Sie bezeugen, dass Gott uns etwas zu sagen hat. Sie leben ihre christliche Berufung.
 
So gehen sie ganz an der Seite Jesu, der vom Berg hinab nach Jerusalem weiterzieht. Dort wird er am Kreuz hingerichtet werden. Doch sein Vater erweckt ihn aus dem Tod zum Leben. In alten Kirchenbildern des Ostkirche sieht man Jesus, wie er dem Grab entsteigt und zu seiner linken und rechten Seite viele Menschen an der Hand mit zum Licht der Auferstehung entgegenführt.
Das ist unsere Berufung, vertrauensvoll, mit Ehrfurcht und entschieden mit Jesus Christus verbunden zu bleiben, in Kommunion zu sein.
 
Heute hören wir das im Zweiten Hochgebet, wenn es heißt: Vater, wir danken dir, dass du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen.
Sprechen wir im Herzen dieses Wort Jesu immer mit. Wir sind gewürdigt und berufen, mit Gott in einer Weise in Beziehung zu sein, wie es keine Religion vermag.
Wir dürfen zu Gott gehören. Wir sind zusammen mit Jesus seine Schwestern und Brüder. Was für ein kostbares Geschenk!
Gehen wir achtsam damit um. Reichen wir es an die Kinder weiter. Leben wir unsere Berufung, Christen zu sein, so, dass auch kommende Generationen sie leben wollen. Und ich bitte Gott darum, dass auch aus diesem Ort in Zukunft Priester, Diakone und Ordensleute hervorgehen möchten, weil eine Kirche der Berufenen diese Dienste ganz dringend und unersetzlich braucht. Bitte, sorgt auch ihr euch darum. Vielen Dank für eure Mitsorge. Amen.