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Dr. Herbert W. Wurster:
Die Bruderschaften der 33 Brüder in der Diözese Passau

Wir bedanken uns herzlich für die Abdruckerlaubnis.

 

 

Passauer Neue Presse (EAPL 331) vom 11.06.2002

Seit 1702 erfüllen 33 Brüder
treu ihre Aufgabe

Begleitung bei Beerdigung immer aktuell -
Große Jubiläumsfeier des ältesten Untergriesbacher Vereins

Es war schon ein einzigartiges Fest, das die Salvatorbruderschaft mit zahlreichen Ehrengästen feiern konnte.
Seit 300 Jahren geben die 33 Brüder ihren Toten treu das Geleit ins Jenseits und stehen den Angehörigen bei. Die Untergriesbacher sind stolz auf die Männer in ihren blauen Kutten und mit ihren Stäben, die von Generation zu Generation in aller Stille ihren Dienst versehen und zum Bild örtlicher Prozessionen gehören.
 
Ein Zusammentreffen der Bruderschaften hat es noch nie gegeben. Die noch älteren von Schönberg, Hohenau, Oberkreuzberg, Innernzell, Rinchnach und Gottsdorf erwiesen den Untergriesbacher Brüdern die Ehre.
Voran ihre Fahnen zogen sie mit der Geistlichkeit feierlich durch den Markt und in die Kirche ein. Altbischof Franz Xaver Eder zelebrierte den Festgottesdienst mit sieben Geistlichen, die von hier stammen oder hier gewirkt haben: den Geistlichen Räten Leopold Pilsl, Herbert Kessler, Karl Hausner, Johann Pöppel und Helmut Kleiner, den Pfarrern Josef Hirsch und Dr. Hans Bauernfeind. Auch nach 300 Jahren sei die Gründung im damaligen „Griesbach am Hohen Markt" tiefer zu bedenken, sagte der Altbischof in seiner Predigt.
 
Die 33 Brüder symbolisierten die Lebensjahre unseres Herrn. Wo immer sie um ein offnes Grab stünden und so den Verstorbenen wie seine Angehörigen in ihre Mitte nähmen, sei das ein Zeichen der Hoffnung und zugleich Trost. In der so aufgeklärten Zeit habe man ihr Anliegen nicht immer verstanden. Über den brüder­lichen christlichen Dienst hinaus gehe es um den gelebten Glauben, um die Liebe zu Gott und den Menschen, ganz gemäß dem Pastoralplan. „Das sind Ideale, die in treuer Zuverlässigkeit gelebt sein wollen", so Eder.
Helmut Kleiner, als amtierender Pfarrer der 33. Bruder, dankte bei der anschließenden Feier im Postsaal für den durch Generationen hindurch getragenen Dienst und die Bereitschaft, dies weiter zu tun. Kleiner zeigte die Unterschiede auf, welche die alterwürdige Institution von anderen Vereinen unterscheidet: Die be­schränkte Anzahl der nur männlichen Mitglieder und das hohe Alter der Bruderschaft, bei der es rau, aber herzlich zugehe.
Die Einzigartigkeit des Jubiläums stellte ebenso Bürgermeister Günther Kohl heraus, gingen doch andere im Gemeindegebiet bislang nicht über 150 Jahre hinaus. Das zeuge von einer heute noch gültigen Beständigkeit wider den Zeitgeist, der immer Neues hervorbringe. „Sie sind etwas Besonderes, ein Merkmal, das nicht jeder hat". Kohl lobte die 33 Brüder dafür, dass sie durchgehalten haben, selbst in unruhigen Zeiten.

Große Aufmerksamkeit fand der Festvortrag von Diözesanarchivar Dr. Herbert W. Wurster, der tiefen Einblick gab in die Bedeutung dieser seltenen Art der Bruderschaften, die nur im Bistum Passau nachzuweisen sind und sich auf den Bayerischen Wald beschränken. Die Gründung erfolgte durch Magister Wolfgang Dietrich in sehr bewegter Zeit, als sogar Bürger wegen ihrer Schulden bei dem „Gottshauß in Arrest geschafft" wurden. Mit der Brüderschaft der Barmherzigkeit, wie sie auch genannt wurde, könnte er also auch an eine Versöhnung in der Pfarrei gedacht haben.
Dr. Wurster betonte, dass sich das typische Kind der Barockzeit und Spezifikum Passauer Geschichte über alle Umbrüche hinweg als erstaunlich lebensfähig erwiesen habe. Die katholischen Ziele seien leicht umrissen: Gebet und Messe für die Verstorbenen und Begleitung bei der Beerdigung. Die Gemeinschaft sei seit drei Jahrhunderten ein wesentlicher Faktor im religiösen Leben der Pfarrei, daher Teil der eigenen Tradition und Identität. Im Mittelpunkt stehe nicht das Getriebe der Welt, sondern die zutiefst religiöse Sorge um die Toten, um deren Geleit ins Jenseits. Die 33 Brüder seien also Teil einer großen christlichen Kultur des Abschiednehmens. Während unsere Epoche den Tod vielfach verdränge, würden sie die „Arme Seele" vom Diesseits auf den erhofften Weg in den Himmel begleiten. Dieses uralte christliche Motiv sei angesichts der Einsamkeit der Toten unserer Tage eine hochaktuelle Notwendigkeit und könne vermeiden, dass ein verächtlicher Umgang mit dem Menschen in seiner letzten Phase sich an diesem Ort breit mache. „Das ist die Modernität dieser Bruderschaft, der lebensvolle Auftrag ihrer Satzung, die daher keine künstliche Aktualisierung oder Aufgaben­vermehrung braucht." Dr. Wurster hob hervor, dass die Heimbegleitung der Toten genug sei, für die Verstorbenen wie die Überlebenden, denn mit der Beerdigung beginne die Neueinrichtung, die Anpassung der Hinterbliebenen auf die durch den Tod so dramatisch veränderten Verhältnisse. Diese unauflösliche Verbindung sei im Stiftbrief prägnant hergestellt. So reihten sich die nachfolgenden Generationen an die große Kette an, mit der aus der Kraft der Tradition, in der bewussten Verbindung mit denen vor uns, im Totengedenken und in der Fürbitte bei Gott dem Leben immer wieder neu Platz gemacht werde. Dass das auch in Zukunft so sein möge, wünschte der Festredner an diesem Tag besonders der Untergriesbacher Bruderschaft.
 
Pfarrer Kleiner und Zechprobst Hans Heindl bedankten sich bei Marianne Füchsl, die in mühevoller Arbeit die Chronik der 33 Brüder zusammen getragen hat. Sie konnte die Namen seit der Gründung nahezu lückenlos erstellen und alle Ereignisse festhalten. Dank galt ferner Christa Rott für die Gestaltung eines Erinnerungsbildes, den Untergriesbacher Sängern für das Singen der Waidlamesse beim Gottesdienst sowie den Frauen der 33 Brüder, die nicht nur die Kirche festlich geschmückt hatten, sondern auch leckere Backwaren anboten, unentgeltlich, aber verbunden mit der Bitte um eine Spende für die Kirchenrenovierung.

Sepp Hutsteiner und seine Töchter Christina und Simone spielten beim anschließenden gemütlichen Beisammensein mit allen Gästen auf, unter denen sich auch die Ehrenbürger Therese Kainz und Volker Stutzer, Kirchenpfleger Franz Binder und PGR-Vorsitzender Erwin Hell befanden.

 

Gebet der Salvatorbruderschaft Untergriesbach
O
Gott,
der du uns durch deinen eingeborenen Sohn
Jesus Christus gelehrt hast,
dass wir alle Glieder eines Leibes sind,
erhöre unser heutiges Gebet
und nimm dieses hl. Messopfer gnädig auf
zu deiner Ehre und für die hingeschiedenen Seelen
unserer Mitbrüder,
besonders für unseren Bruder/unsere Brüder...
Mögen sie durch die Verdienste und das kostbare Blut unseres Mitbruders Jesus Christus bald aus dem Fegfeuer befreit und zu deiner seligen Anschauung gelangen! Uns aber, die wir noch auf Erden wandeln und uns zur Verehrung für 33 Lebensjahre deines göttlichen Sohnes in diese löbliche Bruderschaft begeben haben, lass so miteinander und mit allen anderen Menschen leben, dass wir nicht bloß dem Munde nach, sondern in der Tat und in der Wahrheit eine echte Bruderschaft in Jesus Christus seien. Nach dieser irdischen Wanderschaft aber gib uns die Gnade, dich mit den Engeln und Heiligen sowie den zur Seligkeit gelangten Brüdern unserer Gemeinschaft ewig loben und preisen zu können. Dies verleihe uns, so bitten wir, durch Jesus Christus, deinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn und Bruder.
Amen.
O Herr, gib allen verstorbenen Mitbrüdern und allen Seelen im Fegfeuer die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr, lass sie ruhen in Frieden. Amen.
Es folgen 5 Vater unser und Gegrüßet seist du Maria.